Zweitmeinung vor Fußamputation gefordert
17.02.2016
Kristina Mohr
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) fordert ein obligatorisches Zweitmeinungsverfahren vor jeder Fußamputation. Kliniken sollten außerdem einen finanziellen Bonus für die Rettung eines Fußes erhalten.
Etwa 50.000 Füße amputieren deutsche Ärzte jährlich als Folge einer Diabeteserkrankung. „Diese Zahl ist, auch im internationalen Vergleich, viel zu hoch“, sagt der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Diabetischer Fuß der DDG, Ralf Lobmann. Grund hierfür sei zum einen, dass Patienten mit chronischen Fußwunden zu spät in spezialisierte Zentren kämen. Dort gelänge es interdisziplinären Exptertenteams deutlich öfter als in der Allgemeinversorgung, eine Amputation zu vermeiden. „Während die Rate von Majoramputationen, also Abtrennungen des Fußes oberhalb des Knöchels, in spezialisierten Zentren bei 3,1 Prozent liegt, beläuft sich die Quote in der Allgemeinversorgung auf zehn bis zwanzig Prozent“, so Lobmann.
Zwingend zweite Meinung
Die Höhe der Amputation wirke sich auf die weitere Lebenserwartung aus. Nur ein Viertel der Patienten überlebt laut DDG nach einer Majoramputation fünf Jahre, bei der Abtrennung von Fußteilen unterhalb des Knöchels („Minoramputation“) sind es dagegen 80 Prozent. Deshalb fordert die DDG, dass vor der Amputation zwingend eine zweite Meinung einzuholen ist. Ähnliche Regelungen gäbe es bereits in Holland.
Bonus für den Fuß
Einen weiteren Grund für die vielen Fußamputationen sind nach Ansicht der Fachgesellschaft finanzielle Fehlanreize im aktuellen Vergütungssystem. Im Gegensatz zur „vergleichsweise auskömmlich“ finanzierten Amputation sei der Erhalt einer Extremität wesentlich langwieriger und mit Klinikaufenthalten von bis zu 40 Tagen verbunden. Dieser Mehraufwand werde bisher nicht ausreichend abgebildet. Die DDG schlägt deshalb einen finanziellen Bonus vor, der Anreiz für die Rettung eines Fußes schaffen soll.
Quelle
DDG. Zu viele Fußamputationen in Deutschland: Experten fordern Zweitmeinungsverfahren und bessere Anreize für Fußrettung. Pressemitteilung vom 16. Februar 2016.
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