Reizdarmsyndrom
30.12.2015
Danilo Michalski
Ein Forscherteam der Technischen Universität München hat nachgewiesen, dass die Darmnerven bei Reizdarmpatienten weniger auf Reizungen reagieren als gedacht. So unterscheidet sich die biochemische Antwort auf die Stimulation durch Nikotin oder Elektrizität nicht von der bei gesunden Menschen. Auf einen „Entzündungscocktail“ erfolgt nahezu keine Reaktion. Es bleibt weiter unklar, wie die typischen Symptome beim Reizdarmsyndrom entstehen.
Aktuellen Schätzungen zufolge sind weltweit ca. 10–20 Prozent aller Menschen vom sogenannten Reizdarmsyndrom (engl. Irritabel Bowel Syndrom [IBS]) betroffen. Zu den klassischen Symptomen gehören unter anderem Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung. Professor Michael Schemann vom Lehrstuhl für Humanbiologie an der Technischen Universität München vermutete die Ursache bislang in einer besonderen Sensibilität der Nerven in der Darmwand. Eine von ihm und seinem Forscherteam durchgeführte Untersuchung deutet aber nun in eine ganz andere Richtung.
Darmwand reagiert nicht auf Reize
Schemann untersuchte die Reaktion der entsprechenden Nerven auf Nikotin und elektrische Stimulation an den Biopsien von 35 Reizdarmpatienten und verglich sie mit denen von 17 gesunden Probanden. Wider Erwarten reagierten die Nerven bei beiden Gruppen in etwa gleicher Weise. Eine generelle Sensibilität der Darmwand bei IBS-Betroffenen kann also ausgeschlossen werden.
Des Weiteren verabreichten die Münchner Forscher ihren Versuchspersonen einen „Cocktail“, bestehend aus Histamin, Proteasen, Serotonin und TNF-alpha, die an Entzündungsreaktionen beteiligt sind. Hier fiel das Ergebnis noch überraschender aus. Die Nerven der Reizdarmpatienten reagierten deutlich schwächer als die der gesunden Probanden.
Entstehung von Symptomen unklar
Im weiteren Verlauf der Untersuchung zeigte sich schließlich, dass die Darmwand der Reizdarmpatienten eine Art Schutzfunktion entwickelt. Die dort verankerten Nerven reagieren mit der Zeit nur noch geringfügig auf äußere Einflüsse, wenn sie dauerhaft gereizt werden. Völlig unklar bleibt in diesem Zusammenhang, wie die desensibilisierten Nerven überhaupt die bekannten Symptome hervorrufen können.
Quelle
Reizloser Reizdarm. Pressemitteilung der Technischen Universität München vom 18.12.2015
Mehr zum Thema
Im Buch „Checkliste Ernährung“ können Sie sich vertiefend zu Nahrungsmittelunverträglichkeiten informieren. Dort finden Sie auch Informationen zum Allergenpotenzial in einzelnen Nahrungsmitteln.

