Was pflegende Angehörige motiviert und belastet
12.09.2014
Thomas Koch
Mit steigendem Pflegebedarf nimmt auch die Belastung pflegender Angehöriger zu. 60 Prozent von 1.007 Teilnehmern geben an, dass die Versorgung des Nahestehenden an den eigenen Kraftreserven zehrt. Durchschnittlich 33 Prozent haben den Eindruck, auch gesundheitlich an der Situation zu erkranken. Dies geht aus einer Studie des Wissenschaftlichen Instituts der Techniker Krankenkasse (TK) hervor.
Ohne pflegende Angehörige würde unserer Gesellschaft wohl endgültig der Pflegekollaps drohen. Denn 70 Prozent der derzeit mehr als 2,5 Millionen Pflegebedürftigen werden heute noch in deren privatem Umfeld versorgt. Was bedeutet es für die Angehörigen, wenn sie ein erkranktes Elternteil oder den eigenen Partner betreuen? Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass 24 Prozent ganz allein die Verantwortung für den Nahestehenden übernehmen, ohne etwa auf ambulante Unterstützungsangebote zurückzugreifen. Wie in der professionellen Pflege sind es auch bei den betreuenden Angehörigen hauptsächlich Frauen, die die pflegeabhängigen Menschen versorgen. 79 Prozent der Befragten sind weiblich, 21 Prozent männlich. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer verteilt sich auf 50- bis 65-jährige pflegende Angehörige, ein knappes Drittel ist zwischen 18 und 49 Jahre alt, und rund 19 Prozent sind älter als 65 Jahre. 50 Prozent versorgen die eigene Mutter oder den Vater, 18 Prozent pflegen den Partner und 11 Prozent betreuen einen Teil der Schwiegereltern. 65 Prozent gaben an, sich täglich um den Pflegebedürftigen zu kümmern. Während sich 37 Prozent akut mit der Pflegesituation in ihrem Leben konfrontiert sahen, konnten sich 63 Prozent im Laufe der Zeit darauf einstellen. 30 Prozent der Pflegebedürftigen sind an Demenz erkrankt.
Pflichtgefühl motiviert viele Angehörige zur Pflege
In allen befragten Altersgruppen war das Pflichtgefühl der meistgenannte Grund für die Übernahme der Pflege des Angehörigen. 13 Prozent der über 66jährigen, 21 Prozent in der Altersgruppe 50 bis 65 Jahre und ein Viertel der Jüngeren führten daneben an, dass es sich automatisch ergab, weil ihr Wohnort in der Nähe lag oder generell kein anderer in Frage kam. Daneben nannten die Teilnehmer Mitgefühl, aber auch Liebe und Vertrautheit als Beweggrund.
Während ein Viertel der Befragten die Pflege des Angehörigen komplett selbst übernahm, organisierten 54 Prozent die Versorgung gemeinsam mit weiteren Familienmitgliedern oder Freunden und Nachbarn. Professionelle Unterstützungsangebote nutzten 41 Prozent der Befragten. Die Studie zeigt, dass es in der Beurteilung der eigenen Gesundheit einen Unterschied macht, ob der pflegende Angehörige auf sich selbst gestellt ist oder Unterstützung annimmt. Während 48 Prozent, die gemeinsam pflegten, aussagten, dass sie sich sehr gesund fühlen, waren es bei den allein Pflegenden nur 36 Prozent.
Hoher Pflegebedarf, hohe Belastung
Aus der Gesamtgruppe aller Teilnehmer stimmten 90 Prozent der Aussage zu: „Ich habe das Gefühl, die Pflege im Griff zu haben.“ Daneben motiviert durchschnittlich 81 Prozent, dass der Angehörige weiterhin im eigenen häuslichen Umfeld lebt. Dies empfanden vor allem die über 66-jährigen pflegenden Angehörigen so. Nichtsdestotrotz nagt die Pflege an den eigenen Kraftreserven. Die Belastung steht dabei im direkten Zusammenhang zu der jeweiligen Pflegestufe. Als kräftezehrend stuften 44 Prozent der Teilnehmer, die einen Angehörigen mit Pflegestufe 0 pflegten, die Situation ein. Lag hingegen die Pflegestufe 3 vor, war das bei 80 Prozent, also beinahe doppelt so vielen Angehörigen der Fall. Waren die Pflegeabhängigen an Demenz erkrankt, äußerten 71 Prozent der sie betreuenden Studienteilnehmer, dass sie an Kraft verlieren. Insgesamt zeigt sich, dass an Demenz erkrankte Menschen die pflegenden Angehörigen deutlich stärker belasten. Hier hatten 37 Prozent der Befragten den Eindruck, dass ihre Gesundheit unter der Situation leide, während dies bei den Pflegebedürftigen mit anderen Erkrankungen nur 27 Prozent der Angehörigen empfanden.
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