Zwei Drittel für aktive Sterbehilfe
08.10.2014
Thomas Koch
Während der Bundestag darüber debattiert, Sterbehilfevereine gesetzlich zu verbieten, sprechen sich 60 Prozent der Deutschen in einer aktuellen Umfrage für die organisierte Beihilfe zur Selbsttötung aus. Zwei Drittel können sich vorstellen, dass dem Todeswunsch von Schwerkranken auch durch aktive Sterbehilfe entsprochen werden sollte.
„Sind Sie dafür, dass man das Leben schwerkranker Menschen, die keine Chance mehr zum Überleben haben, auf deren eigenen Wunsch hin beendet?“ Mit dieser Frage konfrontierten Forscher des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) insgesamt 1.530 Bundesbürger. 67 Prozent der Befragten denken, dass dies erlaubt sein sollte. 2008 waren es noch 58 Prozent, die dafür stimmten.
Zwischen den Geschlechtern stellten die Forscher in der aktuellen Befragung nur geringe Unterschiede fest: 70 Prozent der Männer und 65 Prozent der Frauen befürworten die aktive Sterbehilfe. Das Alter, die Konfession oder der Bildungsgrad der Teilnehmer wiesen keine auffälligen Unterschieden auf. Eine deutlich geringere Zustimmung stellte sich laut Allensbach-Kurzbericht bei den Teilnehmern dar, die häufig zur Kirche gehen. Hier waren 39 Prozent für und 33 Prozent gegen die aktive Sterbehilfe.
60 Prozent sprechen sich für Sterbehilfevereine aus
Die Meinungsforscher fragten auch nach der Zulässigkeit von Sterbehilfeorganisationen. Diese ermöglichen ihren Mitgliedern die begleitete Selbsttötung. Beihilfe zum Suizid ist im Gegensatz zur aktiven Sterbehilfe in Deutschland bislang nicht strafbar. Aus diesem Grund konnte etwa der ehemalige Hamburger Justizsenator Roger Kusch den Verein Sterbehilfe Deutschland (StHD) gründen. Im Bundestag diskutieren die Parlamentarier derzeit kontrovers über einen Gesetzentwurf, der ebensolche Vereine verbieten soll. Vor allem die christlichen Parteien sprechen sich gegen eine organisierte Form der Sterbehilfe aus. Die Grünen-Politikerin Renate Künast hingegen sagte gegenüber der „WELT“, dass jeder das Recht habe, „über das Ende seines eigenen Lebens zu entscheiden und sich dabei helfen zu lassen. Wie er das tut, sollte ihm selbst überlassen sein.“
Von den 1.530 Teilnehmern der IfD-Umfrage denken 60 Prozent, dass Sterbehilfeorganisationen in Deutschland weiterhin zugelassen sein sollten, 20 Prozent sind für ein Verbot der Vereine.
Am stärksten tolerieren die Befragten die passive Sterbehilfe. 78 Prozent glauben, dass Mediziner auf lebensverlängernde Maßnahmen verzichten dürfen, wenn es dem Willen des Betroffenen entspricht.

