Pflegende haben hohes Risiko für psychische Erkrankungen
30.11.2016
Thomas Koch
Pflegende sind verglichen mit anderen Berufsgruppen besonders stark gefährdet, psychisch krank zu werden. Sehr hoch ist das Risiko bei Altenpflegenden. Im Jahr 2015 wurden 40,5 Prozent wegen einer psychischen Erkrankung behandelt. Der Durchschnittswert für Beschäftigte in allen untersuchten Berufsgruppen liegt bei 25 Prozent. Dies sind Ergebnisse des aktuellen Gesundheitsreports des Bundesverbands des Betriebskrankenkassen (BKK).
Laut Report treten Fehltage wegen psychischer Störungen in allen untersuchten Berufen am häufigsten in der Altenpflege auf. Die Analyse der Versichertendaten ergab hier 4,5 Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) je Beschäftigten. Bei Gesundheits- und Krankenpflegenden war eine psychische Erkrankung für 3,4 AU-Tage je Beschäftigten ursächlich. Bezogen auf alle untersuchten Berufsbranchen liegt der Durchschnittswert deutlich geringer, bei 2,3 AU-Tagen. Die hohe psychische Belastung in Alten- und Krankenpflegeberufen drückt sich gemäß Report auch in einer über dem Durchschnitt liegenden Verordnungsmenge von Antidepressiva aus. So liegt der Anteil der beschäftigten Mitglieder mit Verordnung in der Altenpflege bei fast 10 Prozent, bei den Gesundheits- und Krankenpflegenden bei rund 7 Prozent.
Angesichts dieser Ergebnisse weist der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) darauf hin, dass Pflegende keineswegs per se anfällig für psychische Erkrankungen wären. Vielmehr seien Pflegefachpersonen physisch und psychisch sehr belastbar und würden ihre eigenen Bedürfnisse häufig aus Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein zurückstellen zugunsten der pflegeabhängigen Menschen. Aus Sicht des DBfK liege die Ursache für physische und psychische Erkrankungen auch in der Diskrepanz zwischen dem Arbeitsaufkommen und der unzureichenden Personalbesetzung in Pflegeeinrichtungen, Pflegediensten und Kliniken. „Es reicht eben nicht, Pflegefachpersonen für den Umgang mit Stress zu schulen, solange die Arbeitsbedingungen unverändert und hochbelastend bleiben“, sagt Johanna Knüppel vom DBfK.
Für den BKK Gesundheitsreport wurden Daten von 9,3 Millionen Personen (darunter 4,4 Millionen Arbeitnehmer) analysiert, die in einer Berufskrankenkasse versichert sind. Im Webangebot können Sie den BKK Gesundheitsreport mit dem Schwerpunktthema „Gesundheit und Arbeit“ als PDF herunterladen.
Quellen

