CNE Einzellizenz

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Beschreibung des Angebotes

Die CNE Einzellizenz umfasst das gesamte Leistungsspektrum von CNE und enthält folgende Elemente:

  • Zugang zu CNE.online – der größten Wissensplattform für Pflegende - inkl. der Komponenten:
    • Fortbildungen
      • Lerneinheiten
      • Pflichtunterweisungen
    • Fachbereiche
      • Management
      • Intensiv- und Anästhesie
      • Psychiatrie
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      • Kinder
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    • Bibliothek (mit pflegerischen und medizinischen Titeln der Georg Thieme Verlag KG)
    • Mediathek
      • Filme
      • Podcast
    • Expertenrat
    • Persönliches CNE Punkte-Konto („Mein CNE“) inkl. Berechtigung zur Zertifizierung (Fragebögen einreichen, CNE Punkte sammeln und in Form eines Zertifikates nachweisen)
    • tagesaktuelle Meldungen und Science kompakt
  • fünfmal im Jahr die Fachzeitschriften CNE.fortbildung und CNE.magazin in einer Sendung
  • Sammelordner für die Lerneinheiten (einmalig)
  • Gutschein für die kostenfreie Erst- und Re-Registrierung für beruflich Pflegende (RbP)

Zustandekommen des Vertrages

Vertragssprache und Bezahlung

Für den Vertragsschluss mit uns steht Ihnen ausschließlich die deutsche Sprache zur Verfügung.

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Einzellizenz

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      • Psychiatrie
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    • Expertenrat
    • Persönliches CNE Punkte-Konto („Mein CNE“) inkl. Berechtigung zur Zertifizierung (Fragebögen einreichen, CNE Punkte sammeln und in Form eines Zertifikates nachweisen)
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Preis für eine Einzellizenz

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  • Jahreslizenz ermäßigt: *
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Alle Preisangaben verstehen sich in Deutschland inklusive der gesetzlichen Mehrwertsteuer in Höhe von 7%. Die Mehrwertsteuer-Berechnung außerhalb Deutschlands beträgt für Österreich zzgl. 20%, für die Schweiz zzgl. 0%.

Die genannten Preise verstehen sich außerdem inkl. Versandkosten.

Beginn und Dauer der Lizenz

Die Lizenzierung beginnt mit dem Zugang unserer E-Mail mit dem Bestätigungslink. Der Einstieg in die CNE Einzellizenz ist jederzeit möglich.
Die Lizenzierung über die Nutzung von CNE wird für unbestimmte Zeit abgeschlossen. Die Einzellizenz kann jeweils bis 30. September zum Jahresende schriftlich gekündigt werden (Brief, Fax, E-Mail).




Bibliothek

Medikamentöse Therapie

Magen- und Darmerkrankungen

Peptische Läsionen, Magen- und Darmulzera, Refluxösophagitis, Erosionen, Gastritis, Duodenitis

„Ohne Säure kein Ulkus“. Dieser alte Satz, der vereinfachend die Entstehung eines Magen- und eines Zwölffingerdarmgeschwürs erklärt, besitzt heute noch Gültigkeit. Neben der peptischen Komponente gehört zu den Voraussetzungen der Ulkuskrankheit eine gewisse Mukosaschwäche, hervorgerufen durch äußere Noxen (wie etwa nicht steroidale Antiphlogistika) oder durch einen Befall der Schleimhaut mit Helicobacter pylori. Die übrigen begünstigenden Faktoren spielen eine etwas geringere Rolle: Stress, Nikotinkonsum, Alkoholabusus, Kaffeegenuss, Glukokortikoide.

Die konservative Therapie der Ulkuskrankheit baut auf folgende Konzepte ( Abb. 16.1 ):

  • antimikrobielle Therapie (Helicobactereradikation),

  • Hemmung der Säurebildung,

  • Meidung medikamentöser Noxen,

  • Schleimhautprotektion,

  • Säurebindung,

  • Änderung der Lebensweise,

  • Motilitätsförderung.

Der Gastritis und Duodenitis kommt in der Regel keine eigenständige Krankheitsbedeutung zu; leichtgradige Schleimhautalterationen bedürfen keiner medikamentösen Therapie. Die Typ-A-Gastritis mit Intrinsic-Faktor-Mangel prädestiniert zur perniziösen Anämie und verlangt gewöhnlich eine Vitamin-B12-Therapie (S. 207). Die Typ-B-Gastritis fasst man als Helicobacter-Schaden auf. Die Gastritis vom Typ C geht auf chemische Noxen, oft auf Medikamentennebenwirkungen (Azetylsalizylsäure, nichtsteroidale Antiphlogistika) zurück. Die Schleimhautentzündungen vom Typ B und C bereiten den Boden für eine Ulkuskrankheit. Magenschleimhautinseln in der Duodenalschleimhaut, vor allem im Bulbus duodeni erlauben es, für Zwölffingerdarm- und für Magengeschwüre einen gleichartigen Entstehungsmechanismus anzunehmen. Erosionen gelten als peptische Läsionen und werden meist ähnlich wie ein Ulkus behandelt. Für die Entstehung einer Refluxösophagitis wirken gewöhnlich eine peptische Komponente, gastroösophageale Motilitätsstörungen und häufig Genussnoxen (Alkohol, Nikotin) zusammen. Demgemäß steht auch für die Behandlung einer Refluxkrankheit die Säureblockade im Mittelpunkt, bisweilen zu ergänzen durch eine Förderung der Bewegungsaktivität des Ösophagus (Prokinetika). Als Sonderformen von Ösophagitiden seien die alkalische Refluxösophagitis (nach Gastrektomien) und die Soorösophagitis (Candidabefall) erwähnt, die den Einsatz spezieller Puffer bzw. von Antimykotika verlangen.

Abb. 16.1 a-b Konservative Therapie der Ulkuskrankheit. a Therapie peptischer Läsionen, b Medikamentöse Hemmung der Säureproduktion.

Die operative Therapie peptischer Läsionen bleibt im wesentlichen akuten Komplikationen dieser Krankheiten vorbehalten (medikamentös und endoskopisch nicht stillbare Blutungen, Perforationen, Narbenstenosen) oder kommt bei nicht zu klärender Dignität (Malignomverdacht) eines Krankheitsherdes zum Zuge. Therapierefraktären Krankheitsverläufen begegnet man selten, am ehesten noch als Problem nach operativen Eingriffen. Die laparoskopische („Knopfloch“)-Chirurgie läutet für ausgewählte Patienten (fürs erste mit einer Refluxkrankheit) eine gewisse Renaissance der operativen „Säurechirurgie“ ein.

Die Erfolge der konservativen und der Rückgang der chirurgischen Therapie verwirken auch einen Rückgang der Probleme des operierten teilresezierten Magens.

Es sei hier aber an die Vitamin-B12-Prophylaxe einer obligat drohenden perniziösen Anämie erinnert (S. 207). Überschießende Blutzuckerschwankungen glätten Guar, Acarbose oder Miglitol (S. 296). Verdauungsschwächen gleichen Pankreasfermente aus (S. 289). Eine Säuresubstitution hingegen, obgleich einstmals versucht, erweist sich nicht als sinnvoll.

Medikamente zur Neutralisierung der Magensäure (Antazida)

Kalziumcarbonat (Kalziumcarbonat 500), Dihydroxydaluminiumnatriumcarbonat (Kompensan), Aluminiumhydroxid (Aludrox), Aluminiumphosphat (Phosphalugel), Aluminium-Magnesium-Silicathydrat (Gelusil), Aluminium-Magnesium-Hydroxid (Maaloxan), Aluminium-Magnesium-Hydroxid/Kalziumcarbonat (Trigastril), Aluminium-Magnesium-Hydrat (Riopan)

Wirkungsweise und Anwendungsmöglichkeiten:

Basen bzw. basische Salze dienen als Antazida. Sie binden und neutralisieren die aggressive Salzsäure des Magens und erhöhen den pH-Wert, wodurch auch Pepsin inaktiviert wird. Dies lindert Beschwerden und fördert die Ulkusheilung und beugt Stressläsionen und Rezidiven vor. Wirksamere Medikamente verdrängen diese traditionsreichen Therapeutika peptischer Läsionen. Doch besitzen sie immer Bedeutung für „leichte“ Beschwerden und in der Selbstmedikation (aus der „Hausapotheke“).

Praktischer Hinweis:

Antazida behindern die Resorption vieler Medikamente (z.B.: Digitalis, Tetrazykline, Penizilline). Für eine Zusatzmedikation sollte man einen Abstand von wenigstens zwei Stunden zum Antazidum einhalten.

Verhalten der Medikamente im Körper:

Antazida wirken lokal und in gleicher Weise, egal ob sie als Lutschtablette, aufgelöste Pulver oder in Form von Gel angeboten werden. Da die Nahrung einen natürlichen Säurepuffer darstellt, sollten die Antazida nicht vor oder zu den Mahlzeiten eingenommen werden, sondern eine Stunde und drei Stunden danach sowie vor der Nachtruhe ( Abb. 16.2 ).

Unerwünschte Wirkungen:

Sehr hohen Dosen können eine bakterielle Besiedlung des oberen Verdauungstrakts und (bei Intensivpatienten) durch Aspiration in die Lunge nosokomiale pneumonische Infektionen begünstigen. Aluminiumverbindungen wirken verstopfend, Magnesiumverbindungen fördern weiche bis durchfallartige Stühle, Kalziumsalze verändern die Stuhlgewohnheiten bei verschiedenen Patienten unterschiedlich, häufiger im Sinne einer Obstipation. Kombinationspräparate werden in dieser Hinsicht am besten vertragen. Karbonate verursachen durch Kohlendioxidbildung oft Blähungen, Aufstoßen und Übelkeit. Natrium-Kalzium-Verbindungen mit möglichem Säure-Rebound und systemischer Überladung mit diesen Mineralien (Vorsicht mit Natrium bei Herzinsuffizienz und Hypertonie!) werden nur noch wenig eingesetzt. Aluminium bewirkt manchmal einen Phosphatmangel. Zu einer Aluminiumüberladung kann es bei renaler Insuffizienz kommen. Auch die möglichen Nebeneffekte tragen mit dazu bei, dass sich Antazida in der Langzeitprophylaxe nicht durchsetzen.

Abb. 16.2 Zeitpunkt der Applikation von Medikamenten zur Behandlung von Magenulzera.

Filmbildner

Sucralfat (Ulcogant), Alginsäure (Gaviscon)

Wirkungsweise und Anwendungsmöglichkeiten:

Sucralfat legt sich wie ein Film auf peptische Läsionen und schützt sie vor der Magensäure. Es stimuliert auch die lokale Bildung von Prostaglandinen und damit die Zytoprotektion (d.h. den Schutz der Schleimhautzellen). Die subjektive Linderung überzeugt nicht immer, doch heilen Erosionen und Ulzera (auch Ulzera nach Ösophagusvarizensklerosierung) gut ab. Sucralfat gilt als wirksam für die Sekundärprophylaxe und für die Stressulkusprophylaxe. Auch die Alginsäure deckt schützend Defekte der Schleimhaut. Ein wesentlicher Teil der Wirkung des Handelspräparats erwächst aber bestimmt aus der zugesetzten Antazidumkomponente.

Verhalten der Medikamente im Körper:

Sucralfat wirkt als Lokaltherapeutikum. Es haftet auf einem Ulkusgrund weitaus besser (etwa 6 Stunden lang) als auf intakter Schleimhaut. Das saure Magenmilieu begünstigt die Filmbildung. Die Kombination mit einer extremen Säureblockade erscheint daher nicht sinnvoll. Im alkalischen Duodenum löst sich der einmal gebildete Film nicht gleich wieder auf, duodenale Ulzera sprechen sogar besser auf die Substanz an als solche im Magen. Nahrungsproteine verstärken die Schutzschicht. Sucralfat nimmt man daher am besten etwa eine Stunde vor einer Mahlzeit ein.

Unerwünschte Wirkungen:

Als Nebenwirkungen beobachtet man bei Sucralfat gelegentlich Obstipationen und Mundtrockenheit. Bei Urämiepatienten achte man wie bei den Antazida auf eine mögliche Aluminiumüberladung. Ansonsten sind wesentliche systemische Nebenwirkungen nicht zu erwarten. Das Gleiche trifft auch auf die Alginsäure zu.

Medikamente zur Hemmung der Säuresekretion

Histamin2-Rezeptor-Antagonisten

Cimetidin (Tagamet), Ranitidin (Sostril, Zantic), Famotidin (Pepdul, Ganor), Nizatidin (Gastrax, Nizax), Roxatidin (Roxit)

Wirkungsweise und Anwendungsmöglichkeiten:

Histamin erfüllt als Gewebehormon vielfältigste Aufgaben im Organismus. Verschiedene Rezeptortypen steuern die jeweilige Antwort des Erfolgsorgans. Am Magen stimuliert Histamin die Säuresekretion. Histamin2-Rezeptor-Antagonisten hemmen die Säuresekretion und bewirken so eine gute Schmerzlinderung bei peptischen Beschwerden und fördern die Abheilung peptischer Läsionen. Primärprophylaxe (Stressulkusprophylaxe) und Sekundärprophylaxe bei der Ulkuskrankheit (Dauertherapie) gehören zu den gesicherten Indikationen. Eigentlich überholt, behaupten sich diese Medikamente noch immer: Ihre Wirkung soll früher als die mancher Protonenpumpenhemmer einsetzen. Viele Ärzte (und Patienten) vertrauen dem Altbewährten, und die Notwendigkeit zur „Kostendämpfung im Gesundheitswesen“ ruft sie sogar wieder verstärkt auf den Plan.

Verhalten der Medikamente im Körper:

Cimetidin, Ranitidin und Famotidin können oral und intravenös verabreicht werden. In der

Intensivmedizin empfiehlt sich oft die Dauerinfusion. Die früher gebräuchlichen, umständlichen Schemata der Dosierungsintervalle (z.B. Cimetidin 200 mg 1–1-1–2) weichen heute der Empfehlung, die gesamte Dosierung für 24 Stunden zur Nacht zu geben: Dies gewährleistet eine optimale Säuresuppression über Nacht, erlaubt eine für die Verdauungsfunktion ausreichende Säureproduktion tagsüber und verbessert entscheidend die Patienten-Compliance (S. 60). Manche Patienten benötigen zur Schmerzfreiheit doch noch eine Tagesmedikation. Höhere Dosen führen zu einer stärkeren Wirkung, unterdrücken die Säuresekretion aber nie vollständig.

Unerwünschte Wirkungen:

Höhere pH-Werte begünstigen eine bakterielle Besiedlung des Magens (und daraus folgend mögliche pulmonale Infektionen bei Intensivpatienten). Unter Cimetidin beobachtet man selten Kopfschmerz, Benommenheit, Übelkeit, Myalgien, Hautausschläge und Juckreiz, Libidoverlust, Impotenz und Gynäkomastie, leichte Anstiege des Kreatinins und Blutbildveränderungen. Durch eine Enzymhemmung in der Leber verlängern sich die Abbauraten für zahlreiche Medikamente (Phenprocoumon, Phenytoin, Theophyllin, Phenobarbital, Benzodiazepin, Propranolol, Nifedepin, Digitoxin, Chinidin, Mexiletin, Antidepressiva). Dennoch gilt – im Verhältnis zur Häufigkeit der Anwendung – Cimetidin als sicheres Medikament. Die neueren H2-Rezeptor-Antagonisten weisen die typischen Cimetidin-Nebenwirkungen nicht auf.

Muskarin1-Rezeptor-Antagonisten

Pirenzepin (Gastrozepin), Telenzepin

Wirkungsweise und Anwendungsmöglichkeiten:

Der N. vagus stimuliert mit seinem Überträgerstoff Azetylcholin über sog. Muskarinrezeptoren (Typ 1) die Magensäureproduktion ( Tab. 16.1 ). Atropin eignet sich als unspezifischer, kurzwirksamer Muskarinrezeptorblocker nicht für die Säuresuppression, wohl aber lassen sich mit dieser Zielsetzung weitgehend selektive M1-Rezeptor-Antagonisten einsetzen. Die Ulkusheilung wird beschleunigt, Stressläsionen und Ulkusrezidive treten unter (prophylaktischer) Therapie seltener auf, doch gelten die positiven Effekte als schwächer, verglichen mit denen der H2-Rezeptor-Antagonisten

Tab. 16.1 Azetylcholin im autonomen Nervensystem

Rezeptortyp

Rezeptortyp Stimulationsort

Antagonist

M1-Rezeptor

(Belegzelle?) autonomes Ganglion

Pirenzepin, Telenzepin

M2-Rezeptor

Herz, glatte Muskulatur, Organe

Ipratropiumbromid

M3-Rezeptor

Drüsen, (glatte Muskulatur), Belegzelle

Verhalten des Medikaments im Körper:

Die enterale und die intravenöse Zufuhr sind möglich. Es empfehlen sich 8–12-stündige Dosierungsintervalle.

Unerwünschte Wirkungen:

Eine vollständige Organselektivität der Rezeptorhemmung lässt sich nicht erreichen. Daher kommt es vor allem bei höheren Dosen zu Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Akkomodationsstörungen oder Miktionserschwernis. Wegen der geringeren Säuresuppression bestehen keine Probleme mit einer bakteriellen Magenbesiedlung.

Gastrinrezeptorantagonisten

Proglumid (Milid)

Wirkungsweise:

Auch die säurestimulierende Wirkung des Magenhormons Gastrin lässt sich durch einen Antagonisten hemmen. Die Substanz verdient wegen ihres Wirkmechanismus theoretisches Interesse, konnte in der Therapie peptischer Läsionen aber keine große Bedeutung erlangen.

Prostaglandine

Misoprostol (Cytotec), Enprostil, Arbaprostil

Wirkungsweise und Anwendungsmöglichkeiten:

Prostaglandine beteiligen sich an der Schleimhautprotektion und fördern die Bildung eines Schutzschleims, sie hemmen aber auch – höher dosiert – die Magensäuresekretion. Leider sieht man befriedigende Heilungserfolge peptischer Läsionen erst bei säurehemmenden, nebenwirkungsreicheren Dosen. Diese Substanzen konnten daher nicht die Erwartungen auf eine Neuorientierung der Ulkustherapie erfüllen, besitzen aber eine gewisse Bedeutung für durch nicht steroidale Antiphlogistika (also Prostaglandinantagonisten) induzierte Ulzera, hier auch in der prophylaktischen Anwendung.

Unerwünschte Wirkungen:

Im Dosisbereich der Säurehemmung treten häufig Diarrhöen auf. Da Prostaglandine Wehen auslösen können, stellt eine Schwangerschaft eine strenge Kontraindikation dar. Alle gebärfähigen Frauen sollten dieses Medikament nicht erhalten, soweit nicht eine sichere Kontrazeption gegeben ist.

Protonenpumpenhemmer

Omeprazol (Antra, Gastroloc), Pantoprazol (Pantozol), Lansoprazol (Agopton), Esomeprazol (Nexium)

Wirkungsweise und Anwendungsmöglichkeiten:

Eine ATPase der Belegzellen nimmt Kalium in die Zelle auf und sezerniert im Austausch Protonen, also das Säureion H+, dem das Chlorid folgt. Das heißt, die Belegzelle gibt Salzsäure in das Magenlumen ab. Eine Hemmung dieser Ionenpumpe bringt – dosisabhängig – die Salzsäuresekretion praktisch zum Erliegen. Es steht damit ein Medikament für eine effektive Standardtherapie peptischer Läsionen und für Problempatienten zur Verfügung, die auf H2-Rezeptor-Antagonisten nicht ansprechen: für Patienten mit einem Zollinger-Ellison-Syndrom, für die schwere Refluxkrankheit und für die ergänzende Therapie bei Ulkusblutungen. Auch die Langzeitanwendung in der Sekundärprophylaxe zeigt sehr gute Erfolge. Deshalb ist es heute auch weitverbreitet das Medikament 1. Wahl zur Hemmung der Säureproduktion geworden.

Verhalten der Medikamente im Körper:

Omeprazol eignet sich für die orale und die intravenöse Applikation. Erst in der Säureumgebung der Belegzelle wird die Substanz (ein sog. pro-drug = Medikamentenvorstufe) in ihre aktive Form umgewandelt. Dies trägt zu ihrer Nebenwirkungsarmut bei. Die Substanz wird in der Leber mit einer Halbwertszeit von 30–90 min metabolisiert, doch hält die Säurehemmung weitaus länger vor, sodass sich (außerhalb der Intensivmedizin) Dosierungsintervalle von 12–24 Stunden (in der Prophylaxe auch 48) anbieten. Anders als bei den H2-Rezeptor-Antagonisten empfiehlt es sich, wegen der besseren Interaktion mit der aktivierten ATPase, Einmaldosen morgens zu geben.

Unerwünschte Wirkungen:

Selbst hohe Dosen (beim Zollinger-Ellison-Syndrom) werden gut vertragen. Diarrhöe und Koliken, erhöhte Leberlaborparameter, Schwindel, Kopfschmerz, Müdigkeit, Hauteffloreszenzen und Leukopenien wurden beobachtet. Sorgen bereitet vielfach ein fast immer auftretender Anstieg des Gastrinserumspiegels, der (bei der Ratte – nicht beim Menschen bestätigt!) mit einer höheren Rate enterochromaffiner Karzinoidtumoren einhergeht. Durch die Interaktion mit einem Leberenzym können sich die Eliminationsraten für Medikamente wie Diazepam verschlechtern.

Antimikrobiell wirksame Therapie

Wismutkolloide

Wismutsalizylat (Jatrox), Wismutzitrat (Telen), Wismusnitrat (Gastripan)

Wirkungsweise und Anwendungsmöglichkeiten:

Wismutkolloide hemmen die Pepsinaktivität, fördern die lokale Prostaglandinbildung, steigern die Sekretion mukosaprotektiven Schleims und bilden zusammen mit den Proteinen des Ulkusgrunds eine Barriere gegen die Säurerückdiffusion. In den Mittelpunkt des Interesses rückten die Wismutpräparate aber erst, als man das Bakterium Helicobacter (Campylobacter) pylori als obligaten Begleiter und wohl Teilursache der Typ-B-Gastritis und der Ulkuskrankheit erkannte: Wismut löst Campylobacter-Organismen aus der Schleimhaut für die nachfolgende Lyse der Bakterien. Die subjektive Schmerzlinderung gilt als eher mäßig gut, doch lassen sich die Abheilungsraten durchaus mit denen unter H2-Rezeptor-Antagonisten vergleichen. Als besonderer Vorteil gilt, dass Rezidive gegenüber anderen (nicht von einer Langzeittherapie gefolgten) Behandlungsformen deutlich verzögert auftreten.

Verhalten der Medikamente im Körper: Wismutsalze sollen vor den Mahlzeiten und vor der Nachtruhe eingenommen werden. – Zwar resorbiert der Darm Wismut kaum, doch kann der Organismus das Metall lange Zeit speichern.

Unerwünschte Wirkungen:

Wismut färbt Zähne, Zahnfleisch und Zunge schwarz und insbesondere auch den Stuhl und überdeckt so Frühzeichen einer gastrointestinalen Blutung. Wismut kann – bei renaler Insuffizienz – im Körper kumulieren und zu einer Enzephalopathie führen.

Kombination von Antibiotika (Triple-Therapie)

Wismut unterdrückt zwar die Besiedlung mit Helicobacter, führt allein aber oft nicht zu einer Bakterienfreiheit der Schleimhaut („Helicobacter-Eradikation“). Helicobacter pylori erweist sich als sensibel gegen Makrolide (Clarithromycin [Klacid]), Amoxicillin (Amoxypen), Tetrazykline (Vibramycin), Ofloxacin (Tarivid) und Metronidazol (Clont, Flagyl). Für eine Elimination dieses Keimes bedarf es einer Antibiotikakombination (z.B. Amoxicillin und Metronidazol, Clarithromycin und Metronidazol, Clarithromycin und Amoxicillin), gewöhnlich über eine Woche (selten schreiben die unterschiedlichsten, in Gebrauch befindlichen Schemata längere Behandlungszeiten vor) – mit oft erheblichen Unverträglichkeitserscheinungen, vor allem von Seiten des Gastrointestinaltrakts. Eine erfolgreiche Eradikation bedeutet zumeist auch eine Rezidivfreiheit bezüglich der Ulkuskrankheit – bis es doch wieder zu einer erneuten Keimbesiedlung kommt. Wismut als Therapiepartner der Antibiose taucht eigentlich nur in Empfehlungen für eine Second- oder Third-Line-Therapie auf (nach Versagen anderer Therapieversuche). Als Regel gilt die begleitende Säurehemmung mit einem Protonenpumpenhemmer, zumeist in der doppelten Standarddosis (im Vergleich zur Therapie peptischer Läsionen ohne Eradikationsanliegen). Es gibt sogar Kombinationspackungen, die in der ambulanten Medizin hilfreich sind, eine bessere Therapietreue zu erzielen. In Betracht kommt natürlich die Kombination von Antibiotika mit H2-Reptorantagonisten – bei etwas niedrigeren Eradikationsraten im Vergleich zu Protonenpumpenhemmern. Die Eradikationstherapie gilt als Vorgehensweise der Wahl, gerade im Vergleich mit der medikamentösen Langzeitprophylaxe.

Prokinetika für den oberen Gastrointestinaltrakt

Metoclopramid (Paspertin), Domperidon (Motilium), Bromoprid (Viaben), Alizaprid (Vergentan)

Wirkungsweise und Anwendungsmöglichkeiten:

Der obere Verdauungstrakt wird cholinerg und dopaminerg innerviert. Die cholinerge Innervation fördert die propulsive (aboralwärts gerichtete, magenentleerende) Peristaltik, die dopaminerge Innervation steht antagonistisch dagegen und begünstigt die Stase und das Erbrechen. Dopaminantagonisten wie Metoclopramid, Bromoprid und Domperidon verstärken den Ösophagustonus gegen einen Reflux, steigern die magenentleerende Peristaltik, erschlaffen den Pylorus und beschleunigen die Dünndarmpassage. Metoclopramid erhöht die Effektivität cholinerger Nervenendigungen. Über einen zentralnervösen Dopaminantagonismus hemmt es zudem Übelkeit und Brechreiz. Bromoprid ähnelt dem Metoclopramid. Alizaprid wirkt vor allem zentral dopaminantagonistisch (mit der Hauptindikation zytostatikaindizierten Erbrechens). Domperidon übt einen peripheren Dopaminantagonismus aus, kaum aber einen zentralen. Indikationen für diese Medikamente ergeben sich bei Übelkeit und Erbrechen, bei Magenentleerungsstörungen, bei der autonomen diabetischen Neuropathie (Gastroparese), zur Ergänzung einer Ulkustherapie, bei Refluxbeschwerden wie Aufstoßen und Sodbrennen und bei manifester Refluxösophagitis gewöhnlich in Kombination mit säureblockierenden Maßnahmen.

Verhalten der Medikamente im Körper:

Metochlopramid, Alizaprid und Bromoprid stehen für die orale und die parenterale Anwendung zur Verfügung, Domperidon nur für die orale Applikation.

Unerwünschte Wirkungen:

Die zentralen Dopaminantagonisten Alizaprid, Metoclopramid und Bromoprid, weniger Domperidon, können extrapyramidalmotorische Störungen (besonders bei Kindern), Sedierung und Gynäkomastie mit Galaktorrhöe auslösen.

Azetylcholinmimetika

Bethanechol (Myocholine)

Wirkungsweise und Anwendungsmöglichkeiten:

Bethanechol tonisiert als Cholinergikum (Vagusimmitator) die glatte Muskulatur von Verdauungsorganen und Harnblase und fördert die Peristaltik und die Blasenentleerung. Nur orale Applikationen sind üblich. Unerwünschte Wirkungen: Unter Bethanechol werden Orthostasereaktionen, selten eine Verstärkung von Miktionsstörungen beobachtet.

Motilinagonisten

Erythromycin (Erythrocin), Oleandromycin

Wirkungsweise und Anwendungsmöglichkeiten:

Motilin, ein Hormon des Verdauungstrakts, fördert die Peristaltik des Magens und des Dünndarms. Erythromycin, eigentlich als Antibiotikum bekannt, und verwandte Medikamente besetzen die Rezeptoren des Motilins und imitieren seine Wirkung. Sie gelten als besonders starke Prokinetika, theoretisch etwa für eine diabetische Gastroparese geeignet. Die intravenöse Gabe von Erythromycin entleert den Magen zumeist rasch und gründlich und kann somit Notfallgastroskopien erleichtern.

Verhalten der Medikamente im Körper:

Die intravenöse und die orale Anwendung sind wirksam. Meist genügen 1–4 Tagesdosen. Wegen einer möglichen Down-Regulation (Abstumpfung) der Rezeptoren bevorzugt man möglichst lange Dosierungsintervalle.

Unerwünschte Wirkungen:

Neben Überempfindlichkeitsreaktionen (vor allem an der Haut) wurden Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle bekannt. Für diese Indikation müssen die Antibiotikaeigenschaften (mit möglichen Resistenzentwicklungen) natürlich als Nebenwirkungen angesehen werden. Die pharmazeutische Entwicklung wird versuchen, Motilin- und Antibiotikaeffekte in Zukunft zu trennen.

Übelkeit und Erbrechen

Übelkeit und Erbrechen treten als uncharakteristische Befindensstörungen und Krankheitssymptome auf, etwa bei Gastritis, Ulkuskrankheit, Pankreatitis, bilären und hepatischen Erkrankungen, schweren Kreislaufschwächen (Infarkt), bei Erkrankungen und Traumata des Zentralnervensystems (Erhöhung des intrakraniellen Drucks), bei Kinetosen („Reisekrankheit“), in der Schwangerschaft, bei Intoxikationen, bei Überdigitalisierung, als Medikamentennebenwirkung oder auch ohne fassbaren Grund. Stets stellt sich also die Aufgabe, eine Ursache zu suchen und diese möglichst zu beheben. Daneben steht die symptomatische Therapie mit Prokinetika für den oberen Gastrointestinaltrakt (s.o.) und mit Antiemetika (= Medikamenten, die das Brechzentrum dämpfen) im engeren Sinne. Hinzu kommt – ergänzend oder alternativ – die Magen-/Duodenalsonde zur Entlastung des oberen Verdauungstrakts.

Medikamente zur Dämpfung des Brechzentrums

Antihistaminika (Histamin1-Rezeptoren-Blocker)

Diphenhydramin (Emesan), Dimenhydrinat (Vomex A), Meclozin (Bonamide), Promethazin (Atosil)

Wirkungsweise und unerwünschte Wirkungen:

Antihistaminika unterdrücken durch direkten Einfluss auf das Brechzentrum im Gehirn Übelkeit und Erbrechen. Die obligate Sedierung, am stärksten beim Promethazin, aber auch beim Diphenhydramin, wird man je nach der klinischen Situation als erwünscht oder als unangenehme Nebenwirkung auffassen. Weitere Nebeneffekte (wie Mundtrockenheit) resultieren aus den Antimuskarineigenschaften dieser Substanzen.

Antimuskarinika (Anticholinergika)

Scopolamin (Scopoderm TTS Membranpflaster, Scopolaminum hydrobromicum)

Wirkungsweise und unerwünschte Wirkungen:

Auch zentral wirkende Antimuskarinika unterdrücken Übelkeit und Erbrechen. Für die Reisekrankheit (Kinetose) eignet sich besonders die transdermale Applikation von Scopolamin. Wenigstens 4 Stunden vor der Bewegungsbelastung eingesetzt, wirkt das Pflaster über etwa 72 Stunden. Als Nebenwirkung verzeichnet man häufig eine Sedierung, äußerst selten psychotische Reaktionen, oft Mundtrockenheit, gelegentlich Sehstörungen.

Neuroleptika

Triflupromazin (Psyquil), Droperidol (Dehydrobenzperidol), Haloperidol (Haldol)

Wirkungsweise und unerwünschte Wirkungen:

Auch Neuroleptika (S. 392) dämpfen das Brechzentrum. Sedierung, geänderte Wahrnehmung und extrapyramidalmotorische Störungen lassen sie für viele Fälle banaler Übelkeit als ungeeignet erscheinen. Beim zytostatikainduzierten Erbrechen oder perioperativ leisten sie auch in der antiemetischen Indikation gute Dienste.

Serotoninantagonisten (5-Hydroxytryptamin3-Rezeptor-Antagonisten)

Dolasetronmesinat (Anemet), Granisetron (Kevatril), Tropisetron (Navoban), Ondansetron (Zofran)

Wirkungsweise und unerwünschte Wirkungen:

Auch diese Antiemetika beschleunigen etwas die Magenentleerung, wirken aber bevorzugt zentral und gelten als stärkste Antiemetika, geeignet für die Behandlung tumor- bzw. zytostatikainduzierten Erbrechens.

Obstipation

40–60% der Erwachsenen leiden unter der Darmfunktionsstörung Obstipation, dauerhaft oder zumindest häufig. Gar nicht so selten verbirgt die Klage über eine Verstopfung psychische Probleme oder eine Depression und verlangt dann natürlich einen ganz anderen therapeutischen Zugang. In manchen Fällen bleiben nur Abführmittel zur Behebung der psychischen und vegetativen Last einer Obstipation. Zudem gibt es klare medizinische Indikationen für eine Therapie mit Laxantien ( Tab. 16.2 ):

Tab. 16.2 Indikation zur Laxantientherapie

akute Erkrankungen

Myokardinfarkt Lungenembolie tiefe Venenthrombose hypertensive Krise schwere respiratorische Insuffizienz

chronische, zumeist immobilisierende Erkrankungen

Schlaganfall Parkinsonsyndrom Multiple Sklerose Gebrechlichkeit, hochgradige Pflegebedürftigkeit

mechanische (anders nicht angehbare) Passageprobleme

Stenosen des Darms, Hämorrhoidalleiden, Analfissur,

funktionelle (anders nicht angehbare) Passageprobleme

diabetische Neuropathie, habituelle Obstipation,

unvermeidliche Medikamentennebenwirkungen

unverzichtbare Medikation ( Tab. 16.3 ),

diagnostische und therapeutische Anliegen

Vorbereitung zur endoskopischen oder radiologischen Diagnostik oder zur Operation.

Tab. 16.3 Obstipation als Nebenwirkung

Medikamente

Opiate

Antidepressiva, Neuroleptika, Sedativa

Antiparkinsonmedikamente

Histaminantagonisten, Vertigonosa, Antiallergika

Antazida (mit Magnesium)

Spasmolytika (Buthylscopolamin)

Diuretika

Kalziumantagonisten

Eisenpräparate

Laxantien

Stets jedoch halte man sich die zum Teil ernsten möglichen Nebenwirkungen einer solchen Therapie vor Augen: Flüssigkeits- und Elektrolytverluste, insbesondere eine Kalium- und auch Kalziumverarmung (Herzrhythmusstörungen, Osteoporose), Wechselwirkungen mit der (verschlechterten) Resorption vieler Medikamente, zunehmende Darmträgheit (Laxantienabhängigkeit). Glücklicherweise verbirgt sich hinter einer Obstipation nur selten eine organische Ursache (Stenose, Tumor, diabetische Neuropathie). Häufig begleitet eine Divertikulose (mit der Gefahr einer akuten Divertikulitis, leicht zu verwechseln mit den „üblichen Verstopfungsproblemen“) die Darmträgheit. Der ärztlichen Diagnostik und Beratung und der pflegerischen Betreuung und „Erfolgskontrolle“ kommt daher, noch vor dem scheinbar so einfachen Griff zum Medizinschrank, hohe Bedeutung zu.

Praktischer Hinweis:

Oft lassen sich Verstopfungsprobleme ohne Laxantien ( Tab. 16.4 ) beheben, durch Aufklärung und Information über eine normale Darmtätigkeit, durch Verhaltensänderungen (Vermeidung von Stuhlverhalt, Eintrainieren bedingter Reflexe), durch ausreichende Trinkmengen, durch schlackenreiche, faserreiche Kost, durch gesteigerte körperliche Aktivität, durch die Vermeidung obstipierender Medikamente ( Abb. 16.3 , s. Tab. 16.3 ). Pflegekräfte und Ärzte können sich in diesem Sinne gleichermaßen einbringen.

Abb. 16.3 Mechanismen der Obstipation und therapeutische Einflussnahme durch gesunde Ernährung. Als Orientierung für eine gesunde Ernährung gilt die Ernährungspyramide: Schlackenreiche Kost (basisnah) als Ernährungsgrundlage, kalorienreiche Kost (spitzenwärts) als Ausnahme: Das hält den Darm aktiv und die Figur in Form.

Tab. 16.4 Laxantien

Substanzgruppe

Wirkmechanismus

Probleme

Wirkungseintritt

Effekt

Ballaststoffe, Quellmittel, Leinsamen, Weizenkleie, Flohsamen

Wasserbindung, Quellung, Dehnung der Darmwand, Steigerung der Peristaltik

ungenügende Trinkmenge, Verklumpung, Ileus, bakterieller Abbau: Meteorismus

1–3 Tage

weicher Stuhl

Zucker, Zuckeralkohole (sweet lavage)

nicht resorbierbare Kohlenhydrate

osmotischer „Wassersog“, Dehnung der Darmwand, Steigerung der Peristaltik

bakterieller Abbau: Meteorismus, Bakterienwachstum: Dosissteigerung nötig

1–3 Tage (als sweet lavage: wenige Stunden)

wässriger Stuhl

Natriumsulfat, Magnesiumsulfat, (saline lavage)

nicht resorbierbare Ionen

Wasser- und Elektrolytverlust, Magnesiumüberladung bei renaler Insuffizienz

1–3 Stunden

wässriger Stuhl

Polyethylenglykol

nicht resorbierbares Makromolekül

selten abdominelle Schmerzen

1–3 Tage

weicher Stuhl

Anthranoide: Senna, Cascara, Frangula

vorwiegende Kolonstimulation

Prostaglandinsynthese gefördert: Peristaltik gefördert, Natrium-Kalium-ATPase gehemmt: Ausstrom von Chlorid und Wasser gefördert

Melanosis coli (Darmwandverfärbung ohne Krankheitswert, bei Anthranoiden) abdominelle Schmerzen, Flüssigkeitsverlust, Kaliumverlust: Förderung der Obstipation, Herzrhythmusstörungen

8–12 Stunden

weicher bis breiiger Stuhl

Bisacodyl, Natriumpicosulfat, Phenolphthalein

vorwiegende Dünndarmstimulation

6–8 Stunden weicher bis breiiger

Stuhl

Rizinusöl

chemische Darmwandreizung, Förderung der Sekretion, Verhinderung der Wasserresorption im Dünndarm

drastische Wirkung, abdominelle Schmerzen

1–3 Stunden

wässriger Stuhl

Paraffin

Gleitmittel

Inkontinenz, Fremdkörpergranulome

1–2 Tage

weicher Stuhl

Einläufe

Erweichen von Stuhlmassen, Dehnungsreiz, Auslösung des Defäkationsreflexes

unwirksam bei ungenügender Einwirkzeit (Sphinkterschwäche), Wirkungsverlust (Gewöhnung), Verletzungen (Hämorrhoiden)

30 Minuten

weicher Stuhl

Therapie mit Quellmitteln und Ballaststoffen

Weizenkleie (Kleie 2000 mg), Psylliumhülsen (Psyllium Kneip), Karaya-Gummi (Puraya), Leinsamen, Methyzellulose, Agar-Agar

Wirkungsweise:

Quellmittel und Ballaststoffe erhöhen das Stuhlvolumen, sie halten Wasser im Stuhl zurück und weichen ihn so auf. Dies erlaubt geringere intraluminale Drücke im Rectosimoid und erleichtert Symptome (wie beschwerlichen Stuhlabgang).

Unerwünschte Wirkungen:

Durch die Stimulation der Peristaltik empfinden die Patienten bisweilen Schmerzen. Ein überschießender Effekt bedeutet Durchfälle. Flüssigkeits- und Elektrolytverluste können Schwächezustände, Thromboseneigung, Kaliummangel mit seinen üblichen Folgen (wie Herzrhythmusstörungen), darunter verstärkte Darmträgheit (und dauernde Laxantienbedürftigkeit), hervorrufen. Derartig ernste Nebeneffekte treten bei diesen eher verhaltenen Laxantien freilich nur selten auf. Häufiger belästigen Blähungen die Patienten. Ballaststoffe resorbiert der Dünndarm nicht. Sie gelangen ins Kolon, wo sie von Bakterien angedaut werden, wodurch belästigende Gase entstehen. Ballaststoffe wirken nur bei ausreichendem Flüssigkeitsangebot laxierend. Fehlt dies, so verklumpen sie bis hin zur Darmverlegung. Wie andere Laxantien können auch Faser- und Ballaststoffe die Resorption von Medikamenten beeinträchtigen.

Therapie mit Gleitmitteln

Paraffinöl (Obstinol mild), Glyzerol (Babylax, Glycilax)

Wirkungsweise:

Gleitmittel üben einen Schmiereffekt aus. Sie machen den Stuhl geschmeidiger. Glyzerol, als Suppositorium, Klistier oder Einlauf, erleichtert die Defäkation bei eingedicktem Stuhl. Hier kommt aber auch der wasserziehende (osmotische) Effekt des Glyzerols zum Tragen. Darmbakterien können überdies Glyzerol verarbeiten. Es entsteht Kohlendioxid, das den Enddarm dehnt und für einen zusätzlichen Defäkationsreiz sorgt.

Unerwünschte Wirkungen:

Paraffinöl führt zu Fremdkörpergranulomen, deren schädigende Wirkung auf den Organismus nicht genau bekannt ist. Eine Aspiration bei der Einnahme kann eine Aspirationspneumonie nach sich ziehen.

Therapie mit stimulierenden Abführmitteln

Rizinusöl (Laxopol), Bisacodyl (Dulcolax), Natriumpicosulfat (Laxoberal), Phenolphthalein (Agarol, Obstinol: Kombinationen mit Paraffinöl), Anthrachinonderivate (Liquidepur, X-Prep), Gallensäuren

Wirkungsweise und Anwendungsmöglichkeiten:

Bisacodyl und Phenolphthalein sowie Natriumpicosulfat beeinträchtigen die Rückresorption von Elektrolyten und Wasser im Kolon, vermehren so das Volumen des Stuhls, vermindern seine Konsistenz und verstärken seine Ausscheidung. Anthrachinone und Bisacodyl aktivieren zusätzlich den Nervenplexus der Kolonwand und fördern auf diese Weise direkt die Darmmotilität. Gallensäuren beschränken – physiologisch und als Therapeutika (vielen „Verdauungspräparaten“ zugesetzt) – die Flüssigkeitsrückresorption im Kolon.

Rizinusöl verhindert die Wasserresorption schon im Dünndarm und fördert auch dort bereits die Peristaltik.

Unerwünschte Wirkungen:

Eine Schwarzfärbung der Darmschleimhaut (Melanosis coli) durch die Anthrachinonderivate besitzt keinen Krankheitswert. Ein aktiver Metabolit dieser Substanz kann jedoch über die Muttermilch in den Säugling gelangen und bei ihm zu Durchfall führen. Bei Laxanzien, die Anthrachinonderivate enthalten, kann sich der Urin rot färben. Wie fast alle Laxanzien beeinträchtigen auch diese, vor allem die Anthrachinone (durch die Verkürzung der Passagezeit), die Resorption von Medikamenten. Zahlreiche Präparate verursachen allergische Reaktionen. Gerade die starken Laxanzien rufen in besonderem Maße Bauchgrimmen sowie Flüssigkeits- und Elektrolytdefizite hervor. Wegen ihrer drastischen Wirkung dürfen diese Substanzen nicht über längere Zeit eingenommen werden. Sie bleiben besonderen klinischen Situationen vorbehalten (z.B. der Vorbereitung auf Operationen oder Untersuchungen). Selbst die „physiologischen“ Laxanzien sind nicht nebenwirkungsfrei: bisweilen steigen die Leberwerte an.

Therapie mit salinischen und osmotischen Abführmitteln

Laktulose (Bifiteral), Sorbit, Mannit, Glyzerin, Magnesiumsulfat, Natriumsulfat, Natriumhydrogenkarbonat, Natriumdihydrogenphosphat, Natriummonohydrogenphosphat, Polyethylenglykol-Elektrolytlösung (Golytely), Magrocol (Movicol, Movicleau)

Wirkungsweise und Anwendungsmöglichkeiten:

Bei den salinischen und osmotischen Abführmitteln handelt es sich um Stoffe, die nicht (oder nicht schnell genug) resorbiert werden können. Durch ihre Wasserbindungsfähigkeit halten sie Flüssigkeit im Darmlumen zurück und erzeugen einen dünnen Stuhl. Sorbit und Glyzerin sowie Salze (Natriumhydrogenphosphate) stehen als Klistiere zur Verfügung und lösen harte Stuhlmassen im Rektosigmoid auf. Sorbit und Mannit lassen sich auch oral anwenden, ebenso Magnesiumsulfat und Natriumsulfat. Sie gelten bei entsprechender Dosis als drastische Abführmittel. Die Polyethylengylkol-Elektrolytlösung dient heute zumeist als Standardvorbereitung für Koloskopien und Darmoperationen. Schnell getrunken wird die Lösung kaum resorbiert; die Elektrolytzusätze halten die Elektrolytbilanz ausgeglichen. Magrocal setzt auf ein ähnliches Wirkprinzip, entzieht das nötige Wasser aber dem Körper und eignet sich daher als „Alltags“ abführmittel, bzw. kommt als Drastikum mit einer geringeren externen Flüssigkeitsbelastung aus als das Basispolyethylenglycol. Laktulose, ein nicht resorbierter Zweifachzucker, verdünnt ebenfalls auf osmotischem Weg den Stuhl. Er senkt zudem erhöhte Blutammoniakspiegel und besitzt daher eine Zusatzindikation bei schweren Leberschädigungen.

Unerwünschte Wirkungen:

Die Anwendung starker Abführmittel wird oft als subjektiv unangenehm, zum Teil als kolikartig schmerzhaft und durch die häufigen Stuhlentleerungen als belastend empfunden. Auf die Folgen des Flüssigkeits- und Elektrolytentzugs (und die Notwendigkeit der Substitution) wurde schon hingewiesen. Setzt man große Flüssigkeitsmengen als Zucker- oder Salzlösung (sweet lavage, saline lavage) ein, so könnte sich, bei zu langsamer Zufuhr und nennenswerter Resorption in den Kreislauf, eine Flüssigkeitsüberladung (mit kardialer Dekompensation) einstellen. Sowohl die Zuckerlösungen (Sorbit gehört chemisch streng genommen zu den Alkoholen, biologisch zu den Zuckern) als auch die Salzlösungen schmecken nicht gut (Geschmackskorrigenzien dürfen zugesetzt werden) und können zu Übelkeit und Erbrechen führen.

Erkrankungen mit dem Leitsymptom Diarrhöe

Durchfallerkrankungen (Diarrhöen) stellen das Leitsymptom für eine ganze Reihe gastrointestinaler Krankheiten dar:

  • unspezifische Nahrungsmittelunverträglichkeit,

  • Nahrungsmittelallergie,

  • angeborene und erworbene Enzymdefekte (Laktoseintoleranz, Sprue, Morbus Whipple),

  • durch Toxine (in verdorbenen Nahrungsmitteln, bakterielle) ausgelöste Diarrhöe,

  • durch Hormone ausgelöste Diarrhöe (Karzinoid u.a.),

  • parasitär ausgelöste Diarrhöe,

  • infektiöse Enteritis (viral, bakteriell, durch Einzeller [Amöben]),

  • nicht infektiöse Enteritiden (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Strahlenkolitis, ischämische Kolitis),

  • Kurzdarmsyndrom,

  • chologene Diarrhöe (bei Ileumerkrankungen, nach Ileumresektionen),

  • Dumping-Syndrom (nach Magenresektionen),

  • Pankreasinsuffizienz,

  • falsche Diarrhöe bei (Tumor-)Stenosen.

Diese sicher noch nicht vollständige Auflistung verdeutlicht die dringende Notwendigkeit einer ursächlichen Abklärung.

Zunehmende Bedeutung erlangt leider eine iatrogene Diarrhöe: manchmal nur eine unspezifische Darmirritation, eher eine bakterielle Fehlbesiedlung des Darms unter Antibiotikatherapie – mit harmlosen Keimen, immer häufiger aber auch mit gravierenden Folgen bis hin zu einer schleimhautnekrotisierenden Kolitis (pseudomembranöse Kolitis, zumeist durch Clostridium difficile).Dies mahnt zu kritischem Umgang mit Antibiotika.

Akute Durchfallerkrankungen bessern sich oft schon nach wenigen Tagen einer Nahrungskarenz mit oralem, in schweren Fällen parenteralem Ersatz von Flüssigkeit und Elektrolyten. Auch die meisten infektiösen Enteritiden heilen unter solchen allgemeinen Maßnahmen ab. Die ursächliche Therapie richtet sich ansonsten nach der Grunderkrankung ( Abb. 16.4 ). Stoffwechseldefekte und seltene Allergien bedürfen einer diätetischen Therapie, die die unverträgliche Substanz nicht enthält.

Die allgemeine Bezeichnung für Mittel gegen Durchfall lautet Antidiarrhoika.

Abb. 16.4 Therapieprinzipien bei Durchfallerkrankungen.

Substitution von Flüssigkeit und Elektrolyten

Glukose – Natriumchlorid – Natriumzitrat – Kaliumchlorid und ähnliche Zusammensetzungen (Elotrans, Oralpädon, Saltadol)

Soweit nicht Übelkeit und Erbrechen als Zusatzsymptom vorliegen, kann der Ausgleich von Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten durchaus auf oralem Weg erfolgen. Die entsprechenden Pulver oder Tabletten werden in abgekochtem, abgekühltem Wasser oder Tee aufgelöst und langsam schluckweise getrunken. Genügt dies nicht, so wird die orale Zufuhr durch eine Infusionstherapie ergänzt oder ersetzt. Das Allgemeinbefinden bessert sich, Kräfte für die Selbstheilung können wieder mobilisiert werden.

Praktischer Hinweis:

Eine ähnliche Zusammensetzung wie die zur Diarrhoemedikation gedachten Lösungen weisen „Sportdrinks“ auf: leicht resorbierbare Kohlenhydrate und Mineralstoffe. Eine vergleichbare Mischung erhält man auch mit einer Reiswassersuppe: Reis gekocht in Salzwasser. Mit zunehmender Rekonvaleszenz darf in dem zu löffelnden Reiswasser immer mehr Reis verbleiben und zugeführt werden. Dem Geschmack gerader junger Patienten kommt Cola entgegen; doch soll der Sprudeleffekt (Kohlensäure), wegen der möglichen Darmdehnung, schon abgedampft (oder „herausgerührt“) sein. Als einziges „Standardgetränk“ liegt Cola nämlich im alkalischen Bereich und gleicht daher den Basenverlust durch Durchfälle aus. Bald schon werden zusätzlich Salzstangen vertragen. Diese „Hausmittel“ der Durchfallsbehandlung wirken, weil die Glukose-Natrium-Pumpe von allen Resorptionssystemen am längsten funktionstüchtig bleibt. Die pflegerische Betreuung von Diarrhoepatienten sollte sie nutzen.

Ruhigstellung des Darms

Opiumtinktur, Loperamid (Imodium), Diphenoxylat-Atropin (Reasec), Kodein (Codicept)

Wirkungsweise:

Bei der Diarrhöe ist die Peristaltik verstärkt und die Magen-Darm-Passage beschleunigt. Morphin und seine Derivate – auch Loperamid und Diphenoxylat sind davon abgeleitet – verstärken die Darmkontraktionen, unterbrechen aber die propulsive Koordination und verlangsamen somit die Passage. Der Tonus des gesamten Darms und speziell der des Kontinenzorgans Rektum erhöht sich. Die verlängerte Passagezeit erleichtert eine gründlichere Rückresorption von Flüssigkeit und Elektrolyten. Die Rückresorption von Natriumchlorid wird aber auch direkt stimuliert. Bei zusätzlich starken Schmerzen bietet Kodein, in schweren Fällen auch die Opiumtinktur, Vorteile.

Unerwünschte Wirkungen:

Die reinigende Funktion des Durchfalls entfällt. Beimengungen von Blut und Schleim, Fieber über 39°C und Diarrhöedauer über mehr als 3 Tage gelten als Kontraindikationen. Bei schweren Darminfektionen mit Bakterien oder Amöben, bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa könnte ein Umschlagen in das Bild eines Ileus oder eines toxischen Megakolon provoziert werden; auch für diese Erkrankungen werden opioidartige Antidiarrhoika nicht empfohlen. Die Möglichkeiten des Missbrauchs der Tinctura opii liegen auf der Hand. Codein erscheint in dieser Hinsicht etwas weniger problematisch. Loperamid besitzt nur noch schwache zentrale Wirkungen: Es kann in hohen Dosen zu Übelkeit und Müdigkeit kommen. Beim Diphenoxylat-Atropin stehen als Nebenwirkungen Atropineffekte wie Mundtrockenheit im Vordergrund.

Bindung von Wasser

Psyllium (Mucofalk), Methylzellulose

Ähnliche Präparationen werden für die Behandlung der Obstipation angeboten. Lässt man das zusätzliche externe Flüssigkeitsangebot (wie für die Obstipationsbehandlung unentbehrlich) entfallen, so binden diese hydrophilen Stoffe Wasser und erhöhen die Konsistenz des Stuhls und lindern so Durchfallbeschwerden. Zusätzlich binden sie Gallensalze, die die Kolonmotilität fördern. Sie reduzieren aber nicht die Flüssigkeits- und Elektrolytverluste.

Bindung von Toxinen

Medizinische Kohle (Kohle-Compretten), Koalin-Pectin (Koaprompt-H), Kalziumcarbonat

Wirkungsweise:

Adsorbenzien sind Stoffe mit großer Oberfläche. Sie binden im Darm Giftstoffe, die dann über den Darm ausgeschieden werden. Ihre Wirksamkeit bei Durchfallerkrankungen wird vielfach bezweifelt.

Unerwünschte Wirkungen:

Leider werden auch Medikamente wie z.B. Digitalispräparate an der Resorption gehindert und ausgeschieden.

Unspezifische Entzündungshemmung

Tanninalbuminat (Tannalbin), Wismutnitrat-Karayagummi (Karaya Bismut), Wismutsubsalizylat

Wirkungsweise und unerwünschte Wirkungen:

Tannin- und Wismutpräparate wirken auf die entzündete Schleimhaut adstringierend. Wismut entfaltet zudem antibakterielle Effekte und bindet Toxine und Gallensalze. Wismutpräparate gelten zur Therapie und Prophylaxe der Reisediarrhöe als geeignet. Kommt es zur unerwünschten Resorption, so kann Tannin die Leber schädigen, Wismut zu einer Enzephalopathie führen. Eine Wismuttherapie sollte daher nicht länger als 8 Wochen andauern.

Hemmung der Sekretion und Förderung der Absorption

Clonidin (Catapresan), Nikotinsäure (Niconacid), Verapamil (Isoptin), Azetylsalizylsäure (Aspirin), Indometacin (Amuno), Somatostatin (Stilamin), Octreotid (Sandostatin)

Wirkungsweise und unerwünschte Wirkungen:

Alle diese Medikamente gelten als relativ neu und noch nicht als definitiv erprobt für die Indikation Diarrhöebehandlung. α2-Agonisten wie Clonidin stimulieren die Absorption und wurden erfolgreich eingesetzt, z.B. bei der diabetischen Neuropathie mit Durchfällen. Nikotinsäure hemmt die Sekretion und ist z.B. bei der Cholera erfolgreich zu nutzen. Kalziumantagonisten fördern die Absorption und behindern die Sekretion; sie werden z.B. beim Postvagotomiesyndrom angewendet. Auch Prostaglandinsynthesehemmer wie Azetylsalizylsäure und Indomethacin beeinflussen Rückresorption und Sekretion, sodass weniger Flüssigkeit verloren geht. Die wohl wichtigste Substanz mit diesem doppelten Wirkmechanismus stellt das Somatostatin, bzw. eine pharmakologische Abwandlung dazu, dar (s.u.).

Behandlung der chologenen Diarrhöe

Cholestyramin (Quantalan), Colestipol (Colestid)

Wirkungsweise und unerwünschte Wirkungen:

Gelangen Gallensalze vermehrt in den Dickdarm (etwa nach einer Resektion des für die Rückresorption der Gallensalze zuständigen Ileums), so können sie Diarrhöen auslösen. Cholestyramin bindet Gallensäuren, verhindert die Wechselwirkung mit dem Kolon und bessert so chologene Diarrhöen. Der schlechte Geschmack stört viele Patienten erheblich. Als problematisch erweist sich bisweilen die Wechselwirkung (Resorptionsbehinderung) mit anderen Medikamenten (z.B. Phenprocoumon, Digitalis u.a.m.).

Behandlung der pankreatischen Diarrhöe

Eine Fermentsubstitution versucht, eine exokrine Prankreasinsuffizienz wettzumachen (S. 289).

Behandlung von Darminfektionen

Laktulose (Bifiteral)

Wirkungsweise:

Die meisten – auch bakteriellen – Enteritiden heilen ohne Antibiotikatherapie ab. Die zur Behandlung benötigten Antibiotika sind auf S. 424 beschrieben. Laktulose senkt den pH-Wert des Darmes ins Saure. Dies bedeutet ein ungünstiges Lebensmilieu für pathogene Darmkeime (besonders für Salmonellen). Harmlose Milchsäurebakterien (Lactobacillus bifidus) werden begünstigt. Die laxierende Eigenwirkung beschränkt die Anwendung.

Behandlung der Colitis ulcerosa und des Morbus Crohn

Colitis ulcerosa und Morbus Crohn sind chronische entzündliche Erkrankungen des Darms, manchmal begleitet von hepatobilären Erkrankungen, Arthritiden und Augenentzündungen. Die Colitis ulcerosa beschränkt sich im Darmbefall auf den Dickdarm, der Morbus Crohn kann den gesamen Verdauungstrakt, vorwiegend aber das Kolon und das Ileum („Ileitis terminalis“) betreffen. Bei der Colitis ulcerosa dominieren blutige und schleimige Durchfälle; beim Morbus Crohn treten als Zusatzsymptome (manchmal als Hauptsymptome) Fistelungen und Stenosierungen auf. Schwerste Verläufe, Abszesse, Stenosen, Fisteln oder ein toxisches Megakolon (eine Darmlähmung und Überdehnung bis zur Perforation mit schwerster allgemeiner Entzündungsreaktion), schwere Blutungen und medikamentös refraktäre Verläufe erfordern manchmal die chirurgische Therapie. Im wesentlichen fußt die Behandlung auf konservativ-medikamentösen Maßnahmen, doch sollte man für eine fundierte Therapieplanung den Chirurgen frühzeitig „ins Boot“ nehmen, um Nebenwirkungsrisiken und operative Optionen auch aus seiner Sicht auszuloten und mit dem Patienten zu besprechen ( Abb. 16.5 , Tab. 16.5 ).

Abb. 16.5 Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Erkrankungsmuster und therapeutische Implikationen.

Entzündungshemmung: Aminosalizylate

Sulfasalazin (Azulfidine, Colo-Pleon), Mesalazin (Salofalk), Olsalazin (Dipentum), Balsalazin

Wirkungsweise und Anwendungsmöglichkeiten:

Die Aminosalizylate (Tab.16) ähneln der Acetylsalicylsäure und hemmen wie diese die Synthese von Prostaglandinen, zusätzlich die von Leukotrienen, also von Entzündungsmediatoren. Als Fänger von Sauerstoffradikalen greifen sie in die chemischen Abläufe der Entzündungsreaktion ein. Diese Substanzen eignen sich für die Behandlung akuter Krankheitsschübe und für die Remissionserhaltung (letzteres namentlich bei der Colitis ulcerosa).

Verhalten der Medikamente im Körper:

Die Aminosalizylate wirken als Lokaltherapeutika. Mesalazin (= 5-Aminosalizylat), der eigentliche Wirkstoff, wird rasch resorbiert und abgebaut. Eine spezielle Verkapselung muss (beim Mesalazin) für eine verzögerte Freisetzung am Ort der Entzündung – im Dünndarm und tiefer – sorgen. Beim Sulfasalazin, der ältesten Substanz dieser Reihe, verhindert die chemische Verbindung mit einem Sulfonamid den vorzeitigen Abbau, beim Olsalazin der Aufbau als 5-Aminosalizyl-Doppelmolekül, beim Balsalazin die Verkoppelung mit einem Trägermolekül. Die bakterielle Spaltung im Kolon und auch schon im distalen Ileum setzt die Wirksubstanz frei. Die Applikation von Sulfasalazin oder Mesalazin als Suppositorium oder Klysma vermeidet viele Nebenwirkungen, erreicht aber nur tiefgelegene Darmabschnitte (Proktitis, Rektosigmoiditis, linksseitige Kolitis). Allerdings kommen die theoretischen Vorteile unterschiedlicher Freisetzungsorte oraler Präparationen nicht so überzeugend zum Tragen und gingen in die Therapieleitlinien nicht ein.

Tab. 16.5 Medikamentöse Therapie chron. entzündlicher Darmerkrankungen

Standardfall

Problemfall

Therapie der Colitis ulcerosa

akuter Schub

Aminosalizylate*

Kortikoide* Zyklosporin (bei Kortikoidproblemen)

fulminanter Schub

Kortikoide intravenös; Infusionstherapie

Zyklosporin (Takrolimus?), Operation (Antibiose nur bei Infektion)

chronisch aktiver Verlauf

Azathioprin, 6-Mercaptopurin, Operation

Operation, Methotrexat, Tacrolimus

Remissionserhaltung

Aminosalizylate

Azathioprin. 6-Mercoptopurin, Operation, Escherichia coli Nissle

Therapie des Morbus Crohn

akuter Schub

Aminosalizylate ileocoekaler Befall: Budesonid oral

Kortikoide

chronisch aktiver Verlauf

Azathioprim, 6-Mercaptopurin

Methotrexat, Infliximab, Mycophenolatmofatil

Remissionserhaltung

Azathioprim, 6-Mercaptopurin, Kortikoide (?) ileokoekaler Befall: Budesonid postoperativ: Aminosalizylate

Methotrexat, Infliximab

Komplikationen

Stenose: Dilatation, Strukturoplastik Abszess: Drainage Fistel allgemein: Antibiotika, Azathioprim, 6-Mercaptopurin Fistel enterovesikal: Operation

Resektion Operation Infliximab, Operation

*distaler Befall: topische Therapie; ausgedehnter Befall: systemische Therapie

Tab. 16.6 Aminosalizylate

Substanz

Präparat

Freisetzungsweise

Freisetzungsort

5-ASA

Pentasa

kontinuierlich

Dünndarm

5-ASA

Salofalk

pH-abhängig

Ileum

5-ASA

Asacolitin

pH-abhängig

Ileum, Kolon

S-ASA-5-ASA

Dipentum

bakteriell

Kolon

5-ASA-Sulfazolidin

Azulfidine

bakteriell

Kolon

5-ASA

Salofalk

lokal (Klysma) lokal (Suppositorium)

Rektosigmoid linkes Kolon

Unerwünschte Wirkungen:

Viele Nebenwirkungen wie Methämoglobinämie, Anämie, Leukopenie und Agranulozytose werden dem nach der Abspaltung resorbierten Sulfonamidanteil zugeschrieben. Daneben treten bisweilen Fieber, Arthralgien, Hauterscheinungen, Übelkeit und Durchfall auf. Auch Fertilitätsstörungen sind (bei Männern) möglich. Bei den sulfonamidfreien 5-Aminosalizylaten treten weniger Nebenwirkungen auf, doch empfiehlt sich auch hier die Kontrolle von Blutbild, Leber- und Nierenwerten.

Entzündungshemmung: Glukokortikoide

Betamethason (Betnesol Rectal-Instillation), Hydrokortison Rektalschaum (Colifoam), Prednisolon (Decortin), Methylprednisolon (Urbason), Budesonid (Entocort, Budenofalk),

Wirkungsweise, Anwendungsmöglichkeiten und unerwünschte Wirkungen:

Glukokortikoide hemmen auf einer frühen Stufe (Phospholipase) die Synthese von Entzündungsmediatoren und behindern die Immigration immunkompetenter Zellen ins Entzündungsgebiet. Die Glukokortikoide besitzen einen hohen Stellenwert in der Behandlung des Morbus Crohn, da die 5-Aminosalizylate dort oft nicht überzeugen; sie gelten als Reservemedikament bei der Colitis ulcerosa (S. 465). Leider belasten, sofern man sich nicht auf eine lokale Therapie mit Suppositorien und Klysmen beschränken kann, ernste Nebenwirkungen (Osteoporose, Hautatrophie, Stammfettsucht, Striae, Blutzuckeranstieg, Hypertonie) die herkömmlichen Kortikoide (Prednisolon). Im Budesonid steht nunmehr ein besser verträgliches Präparat zur Verfügung. Bei geeigneter Galenik wird die Substanz in der entzündeten Region freigesetzt. Die Leber vermag die resorbierte Wirkstoffmenge weitgehend abzubauen (hoher First-Pass-Effekt) und so den Gesamtorganismus recht gut zu schützen. Eine Dosisaufteilung bringt den First-Pass-Effekt oft noch besser zum Tragen (während sonst ja bei Kortikoiden die Regel der einmaligen Gabe am Morgen gilt). Anlaufzeit bis zum Eintreten des Therapieerfolges und Wirkstärke entsprechen nicht völlig einer Standardkortikoidmedikation, die daher als Initialtherapie oder als Second-Line-Strategie ihre Berechtigung behält.

Entzündungshemmung: Immunsuppression, Immunmodulation

6-Mercaptoprin (Puri-Nethol), Azathioprin (Imurek), Methotrexat (Metex), Cyclosporin (Sandimmun), Infliximab (Remicade), Mycophenolatmofatil (CellCept)

Wirkungsweise, Anwendungsmöglichkeiten und unerwünschte Wirkungen:

Noch stärker als Kortikoide wirken Merkaptopurin und Azathioprin entzündungshemmend und immunsuppressiv. Sie eignen sich vor allem, chronisch aktive Krankheitsverläufe unter Kontrolle zu bringen und eine Remission zu erhalten. Ihre lange Anlaufzeit bis zur Wirkungsentfaltung nötigt eigentlich immer, akute Schübe zunächst anderweitig abzufangen. Die Verwandtschaft dieser Substanzen mit Zytostatika erklärt ihre knochenmarksdepressorischen Nebenwirkungen. Hinzu kommt die Potenz zur Leberschädigung und die Gefahr, eine Pankreatitis auszulösen. In der Summe erhalten diese Medikamente gleichwohl für die Langzeittherapie den Vorzug gegenüber den Kortikoiden. Das Zytostatikum Methotrexat springt als Reservemittel bei anderweitig refraktärem chronisch aktivemoder rezidivierendem Morbus Crohn ein.

Sandimmun inhibiert den Immunmodulator Interleukin und andere Lymphokine. Es eignet sich als Reservemedikament bei schwersten Verläufen einer Colitis ulcerosa. Als Hauptrisiken gelten eine zunehmende Infektanfälligkeit, die Nephro- und die Hepatotoxizität, die Auslösung einer Hypertonie und eventuell die Verursachung von Tremor und Krampfanfällen. Spiegelbestimmungen helfen, die Therapie zu überwachen. Als weitere Lymphozytenblocker stehen Tacrolimus für die Colitis ulcerosa und Mycophenolatmofatil für den Morbus Crohn zur Verfügung, als ultima ratio und noch nicht mit etabliertem Stellenwert in einem üblichen Therapieplan.

Infliximab greift als Antikörper gegen den Tumornekrosefaktor ebenfalls tief in die Basismechanismen von Entzündung und Gewebedestruktion ein. Es bessern sich oft anderweitig therapierefraktäre Crohn-Erkrankungen; selbst Fisteln schließen sich in vielen Fällen. Bei wiederholten Therapien, vor allem nach einer Pause von mehr als 8–14 Wochen können schwere Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten. Die Infektabwehr liegt unter dem Medikamenteneinfluss darnieder. Als Kontraindikationen gelten daher eine frühere oder aktive Tuberkulose, sonstige manifeste Infektionen, aber auch eine schwere Herzinsuffizienz, eine Schwangerschaft, Tumorleiden, lymphoproliferative Erkrankungen, ein systemischer Lupus erythematodes, eine Urtikaria und die multiple Sklerose.

Antibiotika

Metronidazol (Clont), Ciprofloxacin (Ciprobay), Ampicillin (Pen-Bristol), Mezlocillin (Baypen)

Wirkungsweise und unerwünschte Wirkungen:

Bei toxischen Verläufen (Megakolon) nützt eine Antibiose bei einer bakteriellen Überlagerung. Auch perioperativ wird man den Patienten antibiotisch abdecken, ebenso bei Abszessen (wenn hier auch der Drainage erste Bedeutung zukommt). Eine Sonderrolle nimmt Metronidazol ein, mit starker Wirksamkeit vor allem im gramnegativen Bereich und einem zusätzlichen immumsuppressiven Effekt. Es wird beim Morbus Crohn, vor allem beim Vorliegen von Fisteln, eingesetzt. Als Nebeneffekte treten metallischer Geschmack, Übelkeit und Neuropathien auf.

Funktionelle abdominelle Beschwerden

Oberbauchschmerzen, Völlegefühl, Aufstoßen und Übelkeit, Beschwerden ähnlich einer Ulkuskrankheit, treten immer wieder selbst ohne fassbare organische Ursache auf (daher auch non-ulcerative dyspepsia genannt), ähnlich wie Blähungen, diffuse abdominelle Schmerzen, Verstopfung oder Durchfälle (Reizdarmsyndrom). Therapeutisch kommen Prokinetika, Spasmolytika oder Entblähungsmittel in Betracht. Die Diät orientiert sich vorwiegend an der persönlichen Erfahrung des Patienten und vermeidet individuell bekannte Beschwerdeauslöser, also zumeist blähende Speisen. Seltener als gemeinhin vermutet liegen Nahrungsmittelallergien vor. Psychotherapeutische und psychopharmakologische Maßnahmen helfen bisweilen, mit diesen Leiden besser zurechtzukommen.

Prokinetika

Metoclopramid (Paspertin), Domperidon (Motilium)

Diese Medikamente beschleunigen die Magenentleerung und die Perstaltik im oberen Verdauungstrakt und bessern oft die Beschwerdesymptomatik (S. 387).

Entblähungsmittel

Simethicon (Endo-Paractol, Lefax), Dimethicon (Ceolat)

Die Medikamente verändern die Oberflächenspannung von Flüssigkeiten, sodass sich nicht so leicht Gasblasen ausbilden. Einige Patienten erfahren dadurch eine Linderung ihrer Beschwerden. Im Rahmen einer Endoskopie gegeben verbessern diese Entschäumer von Verdauungssäften die Sicht und erleichtern eine Untersuchung. Sie werden nicht resorbiert. Ernste Nebenwirkungen treten nicht auf.

Antiallergika

Chromoglyzinsäure (Colimune)

Der Mastzellenstabilisator soll allergische Reaktionen des Verdauungssystems unterdrücken und erzielt bei einigen Patienten Erfolge. Bei echten Allergien müsste eine strenge Diät nach Austestung dieses Bemühen natürlich unterstützen.

Ballaststoffe, Quellstoffe

Weizenkleie (Kleie 2000 mg), Plantago-Samenschalen (Mukofalk

Ballaststoffe regulieren bei einem Colon irritabile (Reizdarm) oft Stuhlfrequenz und –konsistenz und lindern so Beschwerden. Diesen Therapieansatz würdigen die Ausführungen auf S. 254 in angemessenem Umfang.

Spasmolyse

Atropin, Mebeverin (Duspatal), Butylscopolamin (Buscopan), Methylscopolamin (Holopon), Methantelin (Vagantin), Propantelin (Corrigast), Papaverin (Optenyl), Moxaverin (Certonal), Nitroglyzerin (Nitrolingual),Isosorbiddinitrat (Isoket), Nifedipin (Adalat), Glukagon

Wirkungsweise und Anwendungsmöglichkeiten:

Atropin (die ursprüngliche Mustersubstanz dieser Gruppe) und verwandte Stoffe (Mebeverin, Methylscopolamin, Butylscopolamin, Methantelin, Propantelin) wirken an Muskarinrezeptoren als kompetitive Antagonisten des parasympathischen Überträgerstoffs Azetylcholin. Sie setzen den basalen Tonus der glatten Muskulatur der Abdominalorgane herab und unterdrücken Kontraktionswellen. Sie können Spasmen und Koliken beheben. Papaverin und Moxaverin relaxieren die glatte Muskulatur direkt (nicht über antivagale Effekte). Organische Nitrate (wie Nitroglyzerin und Isosorbiddinitrat, S. 134) erschlaffen nicht nur die Gefäßmuskulatur, auch Ösophagusspasmen oder Gallenkoliken lassen sich günstig beeinflussen. Der Kalziumantagonist Nifedipin (S. 140) behauptet (neben seinen Kreislaufindikationen) auch einen Platz in der Therapie von Ösophagusverkrampfungen. Der physiologische Wirkstoff Glukagon relaxiert im Magen-Darm-Trakt. Dies ist bei Ösophagusspasmen, vor allem aber bei diagnostischen Eingriffen von Nutzen.

Verhalten der Medikamente im Körper:

Atropin wird gut resorbiert und wirkt etwa 4 Stunden. Die orale Verfügbarkeit für Methylscopolamin und Butylscopolamin fällt schlechter aus (parenterale oder rektale Applikation bieten sich oft an), die Wirkdauer liegt für Methylscopolamin bei 4, für Buthylscopolamin bei 8 Stunden. Für Mebeverin (für die orale Anwendung) werden 8-stündige Dosierungsintervalle empfohlen. Methantelin und Propantelin wirken etwa 6 Stunden lang. Moxaverin wird besser resorbiert als Papaverin (und steht auch für die parenterale Anwendung zur Verfügung). Beide Substanzen können – abhängig von der Symptomatik 1–3 Mal täglich gegeben werden. Glukagon kann nur parenteral angewandt werden.

Unerwünschte Wirkungen:

Wegen Mundtrockenheit und Tachykardie haben die modernen Antimuskarinika Atropin in der Spasmolyseindikation abgelöst. Als Nebenwirkungen sind hier noch gelegentlich Akkomodationsstörungen geblieben – und die Kontraindikation Glaukom! Auch Miktionsstörungen können auftreten. Papaverin und Moxaverin relaxieren auch die Gefäßmuskulatur mit Kopfschmerzen und Blutdruckabfällen als möglichen Problemen. Alle Spasmolytika können den Darm lähmen und einen paralytischen Ileus herbeiführen, ein Problem, das sich etwa bei unklarem Abdomen stellt, wenn eine ernste Grunderkrankung also für harmlos angesehen und spasmolytisch behandelt wird. Glukagon erhöht (als Insulingegenspieler) die Blutzuckerwerte, doch bereitet dies, da es kaum je als Langzeittherapeutikum nötig ist, praktisch keine Schwierigkeiten.

Divertikulose

Es empfiehlt sich zumeist eine schlackenreiche Kost, bisweilen die Nahrungsergänzung durch Ballast- und Quellstoffe. Akute Beschwerden bessern sich zumeist unter Nahrungskarenz, unter leichter Kost oder durch Spasmolytika. Die Divertikelentzündung indes bedarf intensiver Bemühungen: der antibiotischen Abdeckung, der Analgesie, der Nulldiät unter Infusionstherapie, der Dekompression durch eine Magensonde und stets der chirurgischen Mitbetreuung, um eine akute Operationsindikation (Perforation, Abszess) nicht zu übersehen – wie denn überhaupt nur die Resektion der divertikeltragenden Darmabschnitte die Divertikelkrankheit zu heilen vermag.

Therapie der Magen-Darm-Atonie und des paralytischen Ileus

Magen-Darm-Atonie und Darmparalysen treten häufig als Begleitprobleme schwerer Grunderkrankungen auf, z.B. bei Peritonitis, Pankreatitis, Cholezystitis, Cholangitis, Ureterkolik, Diabetesentgleisung sowie in der postoperativen Phase, besonders nach abdominellen Eingriffen. Sie überdauern die Auslösesituation und benötigen meist eine eigenständige Therapie. Auch ein mechanischer Ileus geht letztlich in einen paralytischen Ileus über, muss aber eine mechanische (operative) Lösung erfahren. Rein paralytische Situationen, bisweilen auch unvollständige Obstruktionen (diese oft nur für begrenzte Zeit), sind konservativen, medikamentösen Bemühungen zugänglich. Stets gilt es zu prüfen, ob nicht ein „chirurgischer Ileus“, eine Operationsindikation, bestehe. Zu den wichtigsten nicht-operativen Maßnahmen gehören:

  • Therapie der Grundkrankheit,

  • Ausgleich von Flüssigkeits- und Elektrolyt- sowie Säure-Basen-Haushalt, Eiweißsubstitution, parenterale Ernährung,

  • gastrointestinale Entlastung durch eine Magen- bzw. Dünndarmsonde,

  • Darmreinigung und Anregung der Peristaltik durch Einläufe,

  • Schmerztherapie, besonders günstig: Periduralkatheteranästhesie (mit Ausschaltung unerwünschter vegetativer Reaktionen),

  • antibiotische Abschirmung bezogen auf den Einzelfall,

  • endoskopische Kolondekompression bei der Pseudoobstruktion,

  • medikamentöse Anregung der Peristaltik.

Anregung der Peristaltik im oberen Gastrointestinaltrakt

Die Dopaminantagonisten und ihre Fortentwicklungen wurden bereits besprochen (S. 246). Cisaprid mit einer Wirksamkeit bis ins Kolon wäre vielleicht besonders günstig, doch fehlt bisher ein parenterales Handelspräparat.

Hemmung des Sympathikus: Sympatholytika

Dehydroergotamin (Dihydergot), Trifluperidol (Triperidol), Pindolol (Visken), Propranolol (Dociton)

Wirkungsweise:

Katecholaminrezeptoren vermitteln am Darm eine Tonisierung von Sphinktern. Alpha- und Betablocker lösen die Motilitätshemmung. Mögliche Nebenwirkungen gilt es, situationsgerecht gegen den erwarteten Nutzen abzuwägen: Gefäßengstellung (Dihydroergotamin), Sedierung (Trifluperidol), Bradykardie, Blutdruckabfall (Pindolol, Propranolol).

Stimulation des Parasympathikus: Cholinergika

Methantelin (Vagantin), Betanechol (Myocholine), Carbachol (Doryl), Neostigmin (Prostigmin), Pyridostigmin (Mestinon), Distigmin (Ubretid)

Wirkungsweise:

Azetylcholin, der Überträgerstoff des Vagus, stimuliert die glatte Muskulatur des Magen-Darm-Trakts und regt die Peristaltik an. Für die therapeutische Anwendung eignet sich diese Substanz nicht (Ausnahme: lokale Anwendung am Auge), da spezifische und unspezifische Cholinesterasen sie rasch inaktivieren. Veränderungen am Molekül (Methantelin, Betanechol, Carbachol) machen es weniger empfindlich gegen die Abbauenzyme und damit nutzbar – als Peristaltika, bei Refluxproblemen (Methantelin, Betanechol) und zur Blasentonisierung (Betanechol, Carbachol). Einen anderen Weg gehen die Cholinesterase-Inhibitoren: Sie blockieren den Abbau des natürlichen Überträgerstoffs; die cholinergen Impulse kommen besser zum Tragen, Blasenentleerung und Darmperistaltik werden angeregt, Ileuszustände oft durchbrochen (und auch die neuromuskuläre Übertragung an der Skelettmuskulatur – bei Myasthenia gravis oder nach Gabe von Muskelrelaxanzien in der Narkose – wird verbessert.

Verhalten der Medikamente im Körper:

Methantelin und Betanechol stehen nur für die orale Anwendung zur Verfügung, eignen sich also für manifeste Ileuszustände nicht; Carbachol, Neostigmin, Pyridostigmin und Distigmin lassen sich sowohl oral als auch parenteral applizieren.

Unerwünschte Wirkungen:

Leider besitzen diese Substanzen keine große Organ- und Wirkungsselektivität. Abdominelle Krämpfe, Diarrhöen und Blasenspasmen, Übelkeit und Erbrechen ergeben sich aus einer überschießenden Hauptwirkung. Durch die sekretorischen Effekte kommt es zum vermehrten Speichelfluss und eine Ulkuskrankheit kann sich manifestieren. Bronchokonstriktorische Wirkungen verschlechtern eine Asthmaerkrankung. Es können lästige Schweißausbrüche auftreten. Eine Gefäßdilatation bei den direkten Cholinergika führt zu Kopfschmerzen, Hautrötung, Blutdruckabfall und Reflextachykardie. Die Gefäßdilatation fehlt bei den Cholinesterasehemmern (da die Gefäße wohl Azetylcholinrezeptoren, kaum aber vagale Nervenendigungen besitzen); am Herzen überwiegt daher die verstärkte parasympathische Aktivität, unter Umständen mit kritischer Bradykardie und atrioventrikulärer Blockierung. Die möglichen Nebenwirkungen verlangen eine vorsichtige Dosierung und eine gute Patientenüberwachung.

Andere medikamentöse Therapieprinzipien

Panthenol (Bepanthen), Ceruletid (Takus)

Wirkungsweise und Anwendungsmöglichkeiten:

Panthenol ist mit den B-Vitaminen verwandt und besitzt eine traditionelle Bedeutung als Peristaltikum, meist in Kombination mit Cholinergika. Ceruletid kontrahiert als Analogon zum Cholezystokinin die Gallenblase. Dies wird z.B. bei der Gallenblasendiagnostik genutzt. Schmerzhafte Koliken können ausgelöst werden. Auch die Darmperistaltik wird oft gefördert.